University of Oxford

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University of Oxford
Motto Dominus Illuminatio Mea
dt. Der Herr ist mein Licht (Psalm 27, 1)
Gründung 12. Jahrhundert
Trägerschaft staatlich
Ort Oxford, Vereinigtes Königreich
Kanzler Chris Patten
Studierende 22.602 (10.499 Postgraduierte) (Stand 1. Dezember 2015)[1]
Website www.ox.ac.uk

Die University of Oxford in Oxford (England) ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten der Welt. Sie ist gesetzlich verfasst als Körperschaft.

Zusammen mit der University of Cambridge führt sie regelmäßig die britischen Unirankings an. Gemeinsam mit Cambridge, dem Imperial College London, der London School of Economics and Political Science (LSE) und dem University College London (UCL) bildet die University of Oxford die sogenannte Super-Elite-Gruppe der G-5-Universitäten in England[2] und gehört damit zu den Eliteuniversitäten.

Sie ist die älteste Universität der englischsprachigen Welt und existiert nachweislich seit dem 12. Jahrhundert. Sie unterteilt sich in 38 Colleges und sechs Permanent Private Halls.[3] Sie ist Mitglied der britischen Russell-Gruppe forschender Universitäten.

Geschichte

Pembroke College der Universität Oxford, Fassade aus dem charakteristischen Bath Stone

Die Universität von Oxford (lateinisch Universitas Oxoniensis) ist nicht nur die älteste britische Universität, sondern auch die drittälteste Europas.

Die ältesten Anzeichen einer Bildungsmaßnahme in Oxford sind Briefe eines Schulmeisters, der um das Jahr 1095 dort zu lehren begann.[4] Wann und wie im folgenden Jahrhundert die örtliche Universität entstanden sein muss, ist unbekannt. Das älteste Dokument über die Universität moderierte ihre Wiederbelebung nach einem Zerwürfnis mit der Stadt und wurde von einem Legat des Papstes im Jahr 1214 verfasst.[5]

Anlass dieses Zerwürfnisses war eine Hinrichtung im Jahr 1208 oder 1209, die einen Übergang nach Cambridge bewirkte, wo die University of Cambridge entstand.[5] Beide Universitäten gemeinsam erfuhren umfassende Bestätigung zugestandener Freiheiten und ihre Erhebung zu Körperschaften durch den Oxford and Cambridge Act von Elisabeth I. im Jahr 1571.[6]

Die Universität begünstigte, dass König Heinrich II. 1167 den Engländern verboten hatte, die Sorbonne in Paris zu besuchen. Mit der Universität von Paris und der Universität Bologna gehört Oxford zu den ältesten europäischen Universitäten.

Seit der Entstehung der Universität Cambridge prägen diese beiden Universitäten, zusammenfassend auch Oxbridge genannt, das geistige Leben Großbritanniens. Die Rivalität zwischen ihnen lässt sich am besten an dem berühmten Boat Race erkennen, einem auf der Themse seit 1829 jährlich ausgetragenen Achterrennen der beiden Universitätsmannschaften.

Seit 2006 gehört die Universität Oxford dem Hochschulverbund International Alliance of Research Universities an.

Frauen und Oxford

Bis 1878 war es Frauen verboten, an den Colleges von Oxford zu studieren. 1878 wurde das erste reine Frauencollege gegründet, Lady Margaret Hall, gefolgt von Somerville College 1879, zehn Jahre nachdem in Cambridge erste Colleges für Damen gegründet wurden. Ende des 19. Jahrhunderts folgten St Hugh’s, St Anne’s und St Hilda’s. 1908 wurden Frauen zur Oxford Union Society zugelassen. Erst 1920 durften Frauen auch dieselben akademischen Grade wie ihre männlichen Kommilitonen erwerben. Erste Präsidentin der Oxford Union wurde 1977 Benazir Bhutto, Studentin in Lady Margaret Hall. Brasenose, Hertford, Jesus, St.Catherine’s und Wadham College waren die ersten Männer-Colleges, die auch Frauen zuließen. Als letztes College allein für Frauen akzeptiert St Hilda’s seit 2008 nun auch männliche Bewerber.[7]

Der Anteil der Studentinnen in Oxford beträgt heute 40 %. Der Frauenanteil unter den Professoren beträgt 19 %.[7]

Mehrere Colleges wurden von Frauen begründet oder mitgestaltet, so Balliol College und Wadham College.[7]

Am 28. Mai 2015 wurde Professorin Louise Richardson als nächster Vice-Chancellor der Universität nominiert. Vorbehaltlich der Zustimmung der Congregation trat Richardson ihr Amt am 1. Januar 2016 als Nachfolgerin von Professor Andrew Hamilton an. Diese erste Nominierung einer Frau für diese Position gilt als Meilenstein in der Geschichte der Universität.[8]

Zulassung

Zugelassen wurden Studenten in Oxford, im Gegensatz zu den kontinentalen Universitäten, von Anfang an von den individuellen Colleges, nicht von der Universität selbst. Nach diesem speziellen System bewerben sich daher Studenten direkt bei den Colleges. Erst vor wenigen Jahren änderte sich dieses für die postgraduates, die nun von den departments zugelassen werden. Die Universität selbst hat nur administrative Aufgaben. Das Zulassungsverfahren gilt als eines der anspruchsvollsten der Welt.

Die Colleges und Private Halls

Balliol College
Brasenose College
Keble College
Magdalen College
Trinity College

Die Universität ist in Colleges und Permanent Private Halls unterteilt. Die Colleges üben wichtige Funktionen aus, so wie Tutoring der Studenten vor dem Bachelor-Abschluss oder stellen auch Unterkunft, Mensen sowie soziale Infrastruktur und Aufenthaltsräume zur Verfügung. Vorlesungen und Prüfungen werden jedoch von der Universität organisiert, welche auch die Abschlüsse verleiht; dennoch identifizieren sich Studenten oft enger mit ihrem College als mit der Universität, und Wettbewerben etwa zwischen den Sportmannschaften der einzelnen Colleges wird große Bedeutung beigemessen.

Der Unterschied zwischen Colleges und Permanent Private Halls liegt darin, dass erstere eigene Entscheidungsorgane besitzen und sich so selbst verwalten, während letztere von einer religiösen Organisation, etwa einem Orden oder einer Kirche, getragen und verwaltet werden, beispielsweise Blackfriars von den Dominikanern. Permanent Private Halls sind in der Regel deutlich kleiner als Colleges.

Die Universität hat 38 Colleges und 6 Private Halls. Nachstehende Liste führt sie (mit Gründungsjahr) auf:

Wappen College Gründung
University College 1249
Balliol College 1263
Merton College 1264
St Edmund Hall 1278 (ca.)
Hertford College 1282
Exeter College 1314
Oriel College 1326
The Queen's College 1341
New College 1379
Lincoln College 1427
All Souls College 1438
Magdalen College 1458
Brasenose College 1509
Corpus Christi College 1517
Christ Church 1546
Trinity College 1554
St John’s College 1555
Jesus College 1571
Wadham College 1610
Pembroke College 1624
Worcester College 1714
Keble College 1870
Lady Margaret Hall 1878
Somerville College 1879
Mansfield College 1886
St Hugh’s College 1886
Harris Manchester College 1889
St Hilda’s College 1893
Nuffield College 1937
St Antony’s College 1950
St Anne’s College 1953
St Peter’s College 1961
Linacre College 1962
St Catherine's College 1963
St Cross College 1965
Wolfson College 1966
Kellogg College 1990
Green Templeton College 2008[9]

Die Permanent Private Halls sind:

  • Blackfriars (1221)
  • Campion Hall (1896)
  • Regent's Park College (1810 in London gegründet, 1927 nach Oxford umgezogen)
  • St Benet's Hall (1897)
  • St Stephen's House (1876)
  • Wycliffe Hall (1877)

Bibliotheken

Die Bodleian Libraries, vormals Oxford University Library Service (OULS), bestehen aus mehr als 30 Bibliotheken. Dazu zählt auch die namensgebende und bekannteste Bodleian Library, die vor mehr als 400 Jahren als erste öffentliche Bibliothek Englands gegründet wurde. Sie enthält über 11 Millionen Bücher und ist nach der Londoner British Library die zweitgrößte Bibliothek Großbritanniens. Die Bodleian Library (intern „the Bod“ genannt) geht auf das Jahr 1602 zurück und ist eine der ältesten Bibliotheken des Landes. Die größte undergraduate College-Bibliothek der Universität ist Somerville College Library.

Rankings und Ansehen

Die Universität Oxford gilt als eine der besten der Welt. In allen drei bekannten britischen Rankings liegt die Hochschule auf dem zweiten Platz – hinter der Universität Cambridge, wobei einzelne Fachgruppen die Spitze abbilden.[10][11][12] In den führenden internationalen Rankings ist die Hochschule hervorragend platziert. Im Times Higher Education Ranking belegt die Hochschule Platz 1 weltweit[13] im QS World University Rankings sowie US News Best Global Universities Platz 5.[14][15] Sie ist damit in allen drei globalen Rankings die beste europäische Universität. Im Academic Ranking of World Universities liegt die Hochschule auf Platz 7 und bildet hinter Cambridge die zweitbeste Hochschule Europas.[16] Insbesondere die Geistes- und Gesellschaftswissenschaftlichen bilden, noch vor den amerikanischen Eliteuniversitäten, die internationale Spitze.[17][18]

Bekannte Oxforder

Die Universität hat eine stattliche Anzahl von Berühmtheiten hervorgebracht. Insgesamt haben sechs Könige, fünf Staatspräsidenten und Premierminister, 46 Nobelpreisträger und 27 britische Premierminister[19] an der Universität studiert. Außerdem kann die Universität sechs Heilige (drei werden nur von der Katholischen, nicht aber von der Anglikanischen Kirche anerkannt), 86 Erzbischöfe und 18 Kardinäle unter ihren Absolventen aufweisen.

Schriftsteller & Dichter

Oscar Wilde, J. R. R. Tolkien, T. S. Eliot, Robert Graves, Aldous Huxley, Hilaire Belloc, John Galsworthy, Kingsley Amis, Martin Amis, Zlata Filipović, Harper Lee, Seamus Heaney, Joseph Heller, John Donne, Percy Bysshe Shelley, C. S. Lewis, Evelyn Waugh, John Betjeman, W. H. Auden, Algernon Charles Swinburne, Graham Greene, Christopher Hitchens, Lord Byron, Salman Rushdie, Philip Pullman, Dorothy L. Sayers, Lewis Carroll, A. S. Byatt, Vera Brittain

Naturwissenschaftler

Stephen Hawking, Richard Dawkins, Tim Berners-Lee, Dorothy Hodgkin

Philosophen

Wilhelm von Ockham, Adam Smith, John Locke, John Langshaw Austin, Richard Robinson, Richard Mervyn Hare, John Searle, Gilbert Ryle, Alfred Jules Ayer, Daniel von Wachter, Derek Parfit, Iris Murdoch

Theologen

John Wyclif, Edmund Campion, Mirza Nasir Ahmad, Cuthbert Mayne, Jean de Menasce, Hieronymus von Prag, John Wesley, John Henry Newman, John Thiessen

Historiker

Arnold Toynbee, Edward Gibbon, Michael Paulwitz, Thomas Weber, Timothy Garton Ash, George Nicholas Georgano

Politiker

Aung San Suu Kyi, Zulfikar Ali Bhutto, Benazir Bhutto, Bilawal Bhutto Zardari, Herbert Henry Asquith, William Ewart Gladstone, Thomas Morus, Tony Blair, Bill Clinton, Richard von Weizsäcker, König Abdullah von Jordanien, Clement Attlee, Harold Macmillan, Margaret Thatcher, William Penn, Álvaro Uribe Vélez, David Cameron, James Purnell, Norbert Lammert, König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, Viktor Orbán, Indira Gandhi

Andere

Sonstiges

  • Oxfords Schutzpatronin ist die heilige Frideswida.
  • Die Fußballmannschaft von Oxford stand dreimal im Finale des FA Cup. 1874 gelang als einziger „echter“ Universitätsmannschaft mit einem 2:0 gegen die Royal Engineers der Pokalsieg in diesem prestigeträchtigen Wettbewerb.
  • Die Universität von Oxford wird als „Hogwarts“ für die Harry-Potter-Reihe genutzt, allerdings meist für den inneren Teil von „Hogwarts“, da sich das fiktive Schloss aus vielen Schlössern in ganz Großbritannien zusammensetzt. Hauptbestandteil ist dennoch die Universität von Oxford.
  • 2005 fand die Gedächtnisweltmeisterschaft in der Universität von Oxford statt.
  • Das ehemalige Eishockeyteam der University of Oxford gewann 4-mal den Spengler Cup in der Schweiz.
  • Die Universität Oxford ist Arbeitsort des fiktiven Archäologen Indiana Jones aus der gleichnamigen Filmreihe.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Sager: Oxford und Cambridge. Eine Kulturgeschichte. 1. Auflage. Schöffling, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-89561-671-0.
  • Fabian Pregel: Oxford. Goldfinch, Hamburg 2007, ISBN 978-3-940258-04-5.
  • Carl von Siemens: Kleine Herren. Ein Deutscher in Oxford. Scherz, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-502-15159-3.
  • F. E. Robinson’s ‘College Histories Series’ Im Internet Archive
  • Hastings Rashdall, Robert Sangster Rait: New college. Publisher F. E. Robinson & Co., London 1901 (Textarchiv – Internet Archive).
  • THE UNIVERSITY OF OXFORD in: H. E. Salter and Mary D. Lobel (Hrsg.): A History of the County of Oxford: Volume 3: The University of Oxford (1954), S. 1–38.
  • CHANCELLORS OF THE UNIVERSITY OF OXFORD in: H. E. Salter and Mary D. Lobel (Hrsg.): A History of the County of Oxford: Volume 3: The University of Oxford (1954) S. 38–39.
  • Joseph Foster: Alumni Oxonienses; the members of the University of Oxford, [later Ser.] 1715–1886; their parentage, birthplace, and year of birth, with a record of their degrees; being the matriculation of the University. 4 Bände, Parker, Oxford 1888.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Übersicht über die Studierenden
  2. timeshighereducation.co.uk
  3. Colleges and Halls A-Z (englisch) – Liste bei der Universität von Oxford, vom 14. April 2009
  4. The early Oxford Schools. In: The History of the University of Oxford. Volume I. Oxford University Press, 1984, ISBN 0-19-951011-3, From Schools to University (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. a b Simon Bailey: The hanging of the clerks in 1209. British Broadcasting Corporation. 18. Dezember 2009. Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  6. Oxford and Cambridge Act 1571 (PDF; 223 KB) The National Archives. Abgerufen am 5. Oktober 2013.
  7. a b c Sager, 2008: 24-6
  8. Oxford University to appoint first female vice-chancellor In: The Guardian. 28. Mai 2015, abgerufen am 29. Mai 2015.
  9. Merger to create new Oxford graduate college (englisch) – Artikel bei der Universität von Oxford, vom 3. Juli 2007.
  10. University league tables 2019. Abgerufen am 18. Juni 2018 (englisch).
  11. The Times & Sunday Times 2018 ranking: Top 20 | Wonkhe | Registrarism. In: Wonkhe. (wonkhe.com [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  12. University league tables 2019. Abgerufen am 18. Juni 2018 (englisch).
  13. World University Rankings. In: Times Higher Education (THE). 18. August 2017 (timeshighereducation.com [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  14. QS World University Rankings 2019. In: Top Universities. 29. Mai 2018 (topuniversities.com [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  15. US News: Best Global Universities Rankings. In: https://www.usnews.com/education/best-global-universities/university-of-oxford-503637. Abgerufen am 18. Juni 2018 (englisch).
  16. ARWU World University Rankings 2017 | Academic Ranking of World Universities 2017 | Top 500 universities | Shanghai Ranking – 2017. Abgerufen am 18. Juni 2018.
  17. World University Rankings 2018 by subject: social sciences. In: Times Higher Education (THE). 12. September 2017 (timeshighereducation.com [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  18. Arts and Humanities. In: Top Universities. 22. Februar 2018 (topuniversities.com [abgerufen am 18. Juni 2018]).
  19. British Prime Ministers | University of Oxford. Abgerufen am 18. Juni 2018 (englisch).